Stimmt es eigentlich, dass……chronische Krankheiten häufig auf schlechte Zähne zurückzuführen sind?
Fühl Dich wohl - mit SWR4-Hausarzt Dr. Günter Gerhardt
Ein eindeutiges Ja. Wir können hier nur einige Beispiele anführen, da es sehr häufig vorkommt und man fast ein Buch darüber schreiben sollte, falls es das nicht schon gibt. Auf jeden Fall ist bekannt, dass ungefähr 70% aller Erkrankungen an inneren Organen auf kranke Zähne zurückzuführen sind. Ob es sich jetzt um Migräne oder Rheuma, Herz-, Kreislauf- oder Verdauungsbeschwerden, Empfängnisstörungen, Sehprobleme oder Allergien handelt: Es gibt kaum ein Leiden, bei dem es sich nicht lohnt, den Patienten auch mal „ordentlich auf den Zahn zu fühlen“.
Zahnlücken und Narben als Störfelder
Kranke Zähne und auch gezogene Zähne, also Zahnlücken bzw. Narben, können die Rolle von Störfeldern einnehmen und irgendwo anders im Körper Beschwerden machen und Krankheiten auslösen. Diese Kenntnis macht sich schon seit Jahrzehnten die Neuraltherapie zu eigen, in dem sie zum Beispiel diese Störfelder mit einem örtlichen Betäubungsmittel unterspritzt.
Amalgam
Amalgam ist ja heute im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. In diese kontrovers geführte Diskussion will ich mich gar nicht weiter einmischen, nur so viel: Wenn es defekt ist und zum Beispiel anfängt zu bröckeln, dann auf jeden Fall raus damit und anschließend ein anderes Füllmaterial.
Bakterien und Fehlstellungen
Bakterien, die eine Paradontitis im Mund hervorrufen, können in den ganzen Körper ausschwärmen und dort ihr Unwesen treiben, zum Beispiel am Herzen. Fehlstellungen im Gebiss können zu Rückenschmerzen führen bis hin zum Bandscheibenvorfall. Das Heimtückische daran: Der Patient spürt nur selten etwa im Mund. Fehlbisse können heute zum Beispiel mit Aufbissschienen korrigiert werden.
Gestörtes “Kauorgan” wirkt auf alles Weitere
Wenn dieses „Kauorgan“ nicht richtig funktioniert kann man sich gut vorstellen, dass dann auch der Schluckvorgang gestört ist und Beschwerden können dann schon beginnen im Bereich der Speiseröhre und setzen sich fort auf Magen, Dünndarm und Dickdarm, es kommt aber nicht nur zu Verdauungsstörungen, sondern der Darm ist ja auch unser größtes Immunsystem und so kann ein Rädchen ins andere greifen.
Ohrgeräusche
Auch mit lästigen Ohrgeräuschen (Tinnitus) sollte man auch mal zu einem Zahnarzt gehen, hier gibt es auch ganzheitlich tätige Zahnmediziner, die zum Beispiel bei den verschiedensten Beschwerden, gerade auch im Bereich der Wirbelsäule, den so genannten „Bionator“ einsetzen, das ist ein kleines Kunststoff-/Drahtgestell, das Betroffene im Mund tragen müssen.
Fazit
Wir sollten immer bedenken, dass an jedem Zahn ein ganzer Mensch hängt! Das hat übrigens schon Wilhelm Busch festgestellt. Bei Beschwerden irgendwo im Körper auch immer an die Zähne denken, sprich den Zahnarzt fragen, hier gibt es übrigens auch naturheilkundlich tätige Zahnärzte und es gibt die so genannte ganzheitliche Zahnmedizin. Persönlich habe ich so den Eindruck, dass inzwischen immer mehr Zahnärzte einsehen, dass sie nicht mehr nur als Gebisshandwerker gefragt sind, sondern als sensible, fachübergreifend denkende Therapeuten.
http://www.swr.de/swr4/rp/ratgeber/gesund/-/id=263808/mpdid=957854/nid=263808/did=957854/1jspntz/index.html